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Folge #002

EU AI Act 2025: Was deutsche Unternehmen jetzt wissen müssen

📅 25. August 2025 ⏱️ 31 Min ← Zurück zum Podcast

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📝 Vollständiges Transkript

🎙️ Host (Max Weber, DACH KI-Verzeichnis)
[00:00] Willkommen zurück zum KI-Podcast Deutschland! Heute behandeln wir ein brandaktuelles Thema: Der EU AI Act tritt 2025 in Kraft - was bedeutet das konkret für deutsche Unternehmen? Ich bin Max Weber, und wir schauen uns heute die Compliance-Anforderungen, Risikoklassen und praktischen Umsetzungsschritte genau an.
[00:30] Der EU AI Act ist das weltweit erste umfassende KI-Gesetz und wird ab 2025 die Spielregeln für Künstliche Intelligenz in Europa definieren. Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Neue Pflichten, aber auch neue Chancen im globalen Wettbewerb.

⚖️ Was ist der EU AI Act überhaupt?

[01:00] Der EU AI Act ist eine Verordnung, die KI-Systeme nach ihrem Risikopotenzial klassifiziert und entsprechende Anforderungen stellt. Das Ziel: KI soll sicher, transparent und respektvoll gegenüber Grundrechten eingesetzt werden.
[01:30] Wichtig zu verstehen: Der AI Act gilt nicht nur für KI-Entwickler, sondern auch für Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen - also praktisch jedes moderne Unternehmen in Deutschland.

🎯 Die vier Risikoklassen erklärt

[02:00] Der EU AI Act teilt KI-Systeme in vier Kategorien ein:
[02:15] Unannehmbares Risiko: Diese KI-Systeme sind komplett verboten. Dazu gehören Social Scoring wie in China oder Manipulationstechnologien, die das Unterbewusstsein beeinflussen.
[02:35] Hohes Risiko: Hier werden strenge Auflagen gefordert. Das betrifft KI in kritischen Bereichen wie Personalwesen, Kreditvergabe oder medizinische Diagnostik. Diese Systeme müssen umfassend dokumentiert und getestet werden.
[03:00] Begrenztes Risiko: KI-Systeme wie ChatGPT oder andere Chatbots müssen transparent machen, dass es sich um KI handelt. Nutzer müssen wissen: "Ich spreche mit einer Maschine, nicht mit einem Menschen."
[03:25] Geringes Risiko: Die meisten alltäglichen KI-Anwendungen wie Spam-Filter oder Empfehlungsalgorithmen fallen hierunter. Hier gibt es nur minimale Anforderungen.

🏢 Konkrete Auswirkungen für deutsche Unternehmen

[04:00] Lassen Sie uns konkret werden: Was bedeutet das für Ihr Unternehmen? Jedes Unternehmen muss eine KI-Bestandsaufnahme machen: Welche KI-Tools nutzen wir? In welche Risikoklasse fallen sie?
[04:30] Ein praktisches Beispiel: Wenn Sie KI-Tools für die Bewerbungsauswahl nutzen, fallen diese unter "Hohes Risiko". Sie müssen dann dokumentieren, wie die KI Entscheidungen trifft, welche Daten sie nutzt und wie Sie Diskriminierung verhindern.
[05:00] Für ChatGPT oder ähnliche Tools müssen Sie sicherstellen, dass Ihre Mitarbeiter und Kunden wissen, dass sie mit KI interagieren. Das kann durch einfache Hinweise wie "Dieser Text wurde KI-unterstützt erstellt" geschehen.

📋 Compliance-Anforderungen im Detail

[05:45] Für Hochrisiko-KI-Systeme müssen Sie folgende Dokumentation führen:
[06:00] Risikomanagement-System: Wie identifizieren und minimieren Sie KI-Risiken?
Datenqualität: Wie stellen Sie sicher, dass die Trainingsdaten korrekt und unvoreingenommen sind?
Technische Dokumentation: Wie funktioniert das KI-System genau?
Aufzeichnungen: Welche Entscheidungen trifft die KI und warum?
Menschliche Aufsicht: Wer kontrolliert die KI-Entscheidungen?
[06:45] Das klingt komplex, aber die gute Nachricht: Viele deutsche KI-Anbieter bereiten sich bereits vor und werden AI-Act-konforme Lösungen anbieten.

💰 Kosten und Bußgelder

[07:15] Sprechen wir über die finanziellen Konsequenzen: Verstöße gegen den EU AI Act können bis zu 35 Millionen Euro oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes kosten - je nachdem, was höher ist.
[07:40] Aber keine Panik! Diese Maximalstrafen gelten nur für schwerwiegende Verstöße wie den Einsatz verbotener KI-Systeme. Für normale Compliance-Verstöße sind die Strafen moderater - aber immer noch schmerzhaft.
[08:00] Meine Empfehlung: Investieren Sie jetzt in Compliance, bevor es teuer wird. Die Vorbereitung kostet einen Bruchteil der möglichen Bußgelder.

🛠️ Praktische Umsetzungsschritte

[08:30] Wie bereiten Sie sich konkret vor? Hier ist mein 5-Stufen-Plan für AI Act Compliance:
[08:45] Stufe 1: Bestandsaufnahme - Erstellen Sie eine Liste aller KI-Tools in Ihrem Unternehmen. Von der Spam-Erkennung bis zum Chatbot.
[09:05] Stufe 2: Risikobewertung - Ordnen Sie jedes Tool einer Risikoklasse zu. Bei Unsicherheit: Lieber eine Stufe höher einordnen.
[09:25] Stufe 3: Dokumentation - Für Hochrisiko-Systeme beginnen Sie mit der Dokumentation. Arbeiten Sie eng mit Ihren KI-Anbietern zusammen.
[09:45] Stufe 4: Prozesse anpassen - Implementieren Sie menschliche Aufsicht und Kontrollmechanismen für kritische KI-Entscheidungen.
[10:05] Stufe 5: Schulung - Trainieren Sie Ihre Mitarbeiter im Umgang mit KI unter den neuen Regeln.

🌟 Chancen durch den EU AI Act

[10:30] Sehen wir nicht nur die Pflichten, sondern auch die Chancen: Der EU AI Act schafft Vertrauen bei Kunden und Partnern. "Made in Europe" wird zum Qualitätssiegel für vertrauenswürdige KI.
[10:55] Deutsche Unternehmen, die frühzeitig auf AI-Act-konforme Tools setzen, haben einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten, die noch mit amerikanischen oder chinesischen Lösungen arbeiten.
[11:20] Besonders im B2B-Bereich wird AI Act Compliance zum Auftragskriterium. Große Konzerne werden nur noch mit Lieferanten arbeiten, die nachweislich konforme KI einsetzen.

🇪🇺 EU-weite Harmonisierung

[11:50] Ein großer Vorteil des EU AI Acts: Er schafft einheitliche Standards in ganz Europa. Deutsche Unternehmen können ihre AI-Compliance-Strategien auch in Frankreich, Italien oder Polen einsetzen.
[12:15] Das ist besonders wichtig für exportorientierte deutsche Unternehmen. Einmal richtig implementiert, öffnet AI Act Compliance die Türen zu 450 Millionen europäischen Kunden.

🔮 Zeitplan und Übergangsfristen

[12:45] Sprechen wir über den konkreten Zeitplan: Der EU AI Act tritt schrittweise in Kraft. Verbotene KI-Systeme sind bereits ab Februar 2024 untersagt.
[13:05] Ab August 2025 gelten die Regeln für allgemeine KI-Modelle wie GPT-4 oder Claude. Hochrisiko-Systeme müssen ab August 2026 vollständig konform sein.
[13:25] Das bedeutet: Sie haben noch Zeit, aber Sie sollten jetzt anfangen! Compliance-Projekte dauern oft länger als geplant.

🤝 Zusammenarbeit mit KI-Anbietern

[14:00] Ein wichtiger Punkt: Sie sind nicht allein verantwortlich. KI-Anbieter müssen Ihnen helfen, Compliance zu erreichen. Fordern Sie von Ihren Tool-Anbietern:
[14:20] - Klare Risikoklassifizierung ihrer Tools
- CE-Kennzeichnung für Hochrisiko-Systeme
- Umfassende technische Dokumentation
- Unterstützung bei der Implementierung
- Regelmäßige Updates zur Compliance
[14:45] Anbieter, die diese Unterstützung nicht bieten, sollten Sie kritisch hinterfragen. AI Act Compliance wird zum neuen Standard für professionelle KI-Anbieter.

📊 Branchenspezifische Besonderheiten

[15:15] Verschiedene Branchen sind unterschiedlich stark betroffen. Finanzdienstleister, Personalvermittler und Medizintechnik-Unternehmen müssen besonders aufpassen, da sie oft Hochrisiko-KI einsetzen.
[15:40] E-Commerce und Marketing sind meist weniger betroffen, müssen aber bei personalisierten Empfehlungen und automatisierten Entscheidungen aufpassen.
[16:00] Produzierendes Gewerbe sollte KI in Qualitätskontrolle und Sicherheitssystemen genau prüfen - hier können schnell Hochrisiko-Einstufungen entstehen.

💡 Konkrete Handlungsempfehlungen

[16:30] Meine Top 5 Sofortmaßnahmen für deutsche Unternehmen:
[16:45] 1. KI-Inventar erstellen: Listen Sie alle KI-Tools auf - auch die, die in anderer Software versteckt sind.
2. Rechtsberatung beauftragen: Lassen Sie sich von AI Act-Experten beraten.
3. Anbieter kontaktieren: Fragen Sie Ihre Tool-Anbieter nach AI Act-Roadmaps.
4. Interne Schulungen planen: Bereiten Sie Ihre Teams auf die neuen Anforderungen vor.
5. Budget einplanen: Compliance kostet Geld - aber weniger als Bußgelder.

🔗 Verbindung zur DSGVO

[17:30] Ein wichtiger Punkt: Der EU AI Act ergänzt die DSGVO, ersetzt sie aber nicht. Sie müssen beide Regelwerke parallel befolgen.
[17:50] Die gute Nachricht: Unternehmen, die bereits DSGVO-konform arbeiten, haben einen Vorsprung. Viele Prinzipien wie Datenschutz by Design überschneiden sich.
[18:10] Mein Tipp: Verbinden Sie AI Act und DSGVO-Compliance in einem gemeinsamen Projekt. Das spart Zeit und Kosten.

🌍 Internationale Wettbewerbsfähigkeit

[18:40] Abschließend ein Blick auf den internationalen Wettbewerb: Der EU AI Act macht Europa zum Vorreiter für vertrauenswürdige KI. Deutsche Unternehmen, die jetzt richtig handeln, werden global führend sein.
[19:05] Andere Länder schauen genau auf Europa. Kanada, Japan und sogar einzelne US-Bundesstaaten entwickeln ähnliche Gesetze. AI Act Compliance wird zum Exportschlager.

🎯 Zusammenfassung und nächste Schritte

[19:35] Fassen wir zusammen: Der EU AI Act ist kein Hindernis, sondern eine Chance für deutsche Unternehmen, Vorreiter für vertrauenswürdige KI zu werden.
[19:55] Beginnen Sie jetzt mit der Vorbereitung. Erstellen Sie Ihr KI-Inventar, bewerten Sie Risiken und arbeiten Sie eng mit Ihren Anbietern zusammen.
[20:15] Denken Sie daran: Early Adopters haben immer einen Vorteil. Während Ihre Konkurrenten noch zögern, können Sie bereits mit AI-Act-konformer KI punkten.

📞 Unterstützung und Ressourcen

[20:40] Für weitere Unterstützung besuchen Sie unser DACH KI-Verzeichnis, wo wir AI-Act-Bewertungen für alle Tools anbieten. Unser Compliance-Check hilft Ihnen bei der ersten Risikoeinschätzung.
[21:00] In unserer KI-Zertifizierung lernen Sie systematisch, wie Sie KI rechtskonform und effizient einsetzen - jetzt mit speziellem AI Act-Modul.

🎙️ Abschluss

[21:25] Das war unsere Folge zum EU AI Act 2025. Haben Sie Fragen? Schreiben Sie uns an podcast@ki-tools-deutschland.com
[21:40] In der nächsten Folge sprechen wir über konkrete KI-Implementierungsstrategien für mittelständische Unternehmen.
[21:55] Vielen Dank fürs Zuhören! Der EU AI Act kommt - seien Sie bereit! Bis zur nächsten Folge, Ihr Max Weber.
📋 Key Takeaways EU AI Act 2025:
  • 4 Risikoklassen: Unakzeptabel (verboten), Hoch (strenge Regeln), Begrenzt (Transparenz), Gering (minimal)
  • Bußgelder: Bis zu 35 Mio. € oder 7% des Jahresumsatzes
  • Zeitplan: Schrittweise Einführung 2024-2026
  • Sofortmaßnahmen: KI-Inventar, Risikobewertung, Anbieter-Dialog
  • Chancen nutzen: Wettbewerbsvorteil durch frühe Compliance
  • Deutsche Tools bevorzugen: AI Act-konforme Lösungen aus Europa